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Deutscher Schlager – Erfolgreich, oder nicht?

Der Schlager ist des Deutschen Lieblingsmusik - nur erkennen das auch die Label, Medien und Kritiker?

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Thema Thema - Bildrechte: HitOase

Kennen Sie das, wenn Partys so gar nicht in Schwung kommen wollen? Was hilft dann? Es muss Musik her, die Freude bereitet, eingängig ist und ein gewisses Mitsing-Potential besitzt. Prädestiniert ist da der Schlager, er vereint all‘ diese Eigenschaften, ist facettenreich und begeistert seit mehreren Dekaden jung und alt.

Doch (leider) hat der Schlager einen schlechten Ruf. Dies behaupten zumindest diverse Label, Radio- und Fernsehanstalten. „Schlager macht keine Quote und liegt wie Blei in den Verkaufsregalen“, so hört man immer wieder. Ist das die Wirklichkeit, mögen wir dieses Genre tatsächlich nicht, oder ist dies die Meinung einzelner Personen in den Schaltzentralen, die einfach Schlager nicht mögen und ihm somit keine Chance bieten?

Ich bin der Meinung, dass der „Deutsche Schlager“ lebt. Er ist präsent und ließe sich mit Sicherheit auch ebenso gut verkaufen. Allerdings, jetzt kommt der Pferdefuss, gilt dies bei den Verkäufen nur für eine Handvoll prominenter Vertreter des Schlagers. Helene Fischer, Andrea Berg, Semino Rossi, Fantasy, Matthias Reim, Beatrice Egli, Heino und die Amigos möchte ich hier stellvertretend als Beipiele nennen. Warum läuft es bei den genannten Künstlern so gut und bei vielen anderen – meist ebenso guten Künstlern mit ausgezeichneten Album-Produktionen, nicht so gut?

Die Frage ist ganz leicht zu beantworten, sie werden nicht prominent genug vom eigenen Label in Szene gesetzt. Klar, es werden ein paar Autorammstunden-Touren organisiert. Meist eher verhalten besucht, bieten sie nur einen kurzen Einblick in das musikalische Schaffen des Künstlers. Die Besucher dieser Touren nehmen den Protagonisten auf der Bühne nur im Vorbeigehen (beim Einkaufen) wahr und haben auf dem Nachhauseweg meist schon wieder andere Sachen im Kopf. Hören Radio – und summen schon wieder andere Lieder mit. Radio, das nächste leidige Thema. „Das beste aus den 70ern, 80ern, 90ern und das neueste von Heute!“ – klingt schön oder? Ja, wenn es so wäre! Aber die meisten öffentlich-rechtlichen Radioanstalten sind zum Oldiesender mutiert. Quälen uns schon in den frühen Morgenstunden mit millionenfach gespielten „Hits“, die uns – sorry, zum Halse raushängen! Ganz ehrlich, ein buntgemischtes Programm ist ja letzten Endes auch schön, aber wo bleibt der Schlager, die gut dosierte musikalische Abwechslung? Schlager läuft meist unter „ferner liefen!“ – das ist die bittere, traurige Wahrheit!

Das Thema TV ist noch verzwickter und lässt Schlagerfans schier verzweifeln. Es bleiben nur noch ein paar wenige abendfüllende Shows bei ARD und ZDF, das war es dann! Florian Silbereisen (Feste), Carmen Nebel (Willkommen bei Carmen Nebel) und Andy Borg (Musikantenstadl). Letzterer hat allerdings von den genannten Shows das schwierigste Los, die Sendung muss mit dem Makel „Volksmusik-Verblödungs-Show“ kämpfen. Ebenfalls unzumutbar – denn Millionen 60-Plus-Zuschauer lieben ihren Stadl! Kennt irgendwer noch ein Land, welches so mit der ur-eigenen Musikkultur umgeht? Die eigene Sprache so mit Füßen tritt? Mir fällt keines ein! Das es auch anders geht zeigen zum einen das MDR Fernsehen und zum anderen das HR Fernsehen. Sie senden beispielsweise Schlager-Spezialsendungen die hunderttausendfach eingeschaltet werden – im Dritten! Warum werden die Schlager des Jahres (MDR) oder die Schlagerpartys (HR) nicht im Ersten ausgestrahlt? Diese Shows sind meistens sensationell besetzt und ausgezeichnet produziert. Damit könnte man schon Millionen Fans gewinnen bzw. wieder reaktivieren – wären somit nicht nur regionale TV-Event.

Apropos Erreichbarkeit und Aktivieren: Die ZDF-Hitparade war eine Institution – so was gibt es heutzutage nicht mehr! Wer dort auftrat verkaufte hunderttausende Tonträger. Gut, man darf diese Kultsendungen nicht unbedingt mit dem gegenwärtigen TV-Konsum vergleichen. Doch auch hier sehe ich immer noch eine Menge Potential. Gute Live-Shows, Hitparaden und Schlager-Spezial-Sendungen könnten sehr hohe Quoten einfahren, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen würden. Das heißt, die Label, die Macher und auch die Medien, müssten diese Events prominent unterstützen. Getreu dem Motto: „Schlager ist cool und wir lieben ihn!“ Doch die Wirklichkeit, ich habe es bereits anfangs erwähnt, sieht ganz anders aus. Selbst einige Product Manager, die eigentlich voll hinter ihrem Künstler stehen sollten – früher war das mal so, machen nur noch einen „9 to 5“-Job. Entweder weil sie das Genre nicht mögen, soll auch vorkommen, oder weil sie schlichtweg überfordert sind. Nicht, weil sie keine Ahnung haben, sondern weil sie das Thema „Schlager“ nebenbei machen müssen. Die Label reduzieren die Stellen der „PM’s“ auf ein Minimum und beklagen sich dann, wenn Künstler von ihren Mitarbeitern nicht prominent genug in Szene gesetzt werden. Ein Teufelskreis!

Neues Thema – Professionalität: Klar, es gibt Dutzende Promo-Agenturen, die Zeitschriften, TV-Sender, Radio-Anstalten, Webradios und Online-Magazine mit offiziellen Pressetexten versorgen. Doch was geschiet dann weiter? Die Zeitschriften setzen meist einen kleinen Hinweis – fertig! Die TV-Sender kümmert es meist gar nicht! Radios suchen sich die Perlen raus und fertig! Webradios spielen die Songs und erzählen ein wenig zum Künstler, das ist okay! Bei den Online-Magazinen muss man differenzieren. Die meisten stellen (meist mit jedem Rechtschreibfehler und internen Hinweisen) den Pressetext online – und bieten redaktionell somit keinen Mehrwert für den Leser. Sollte denn doch mal was Eigenes kommen, haben dies meist Fans geschrieben, die größtenteils nur das „gut“ finden, was ihrem eigenen Geschmack entspricht. Auch hier sei gesagt, das ist einfach zu wenig und halbherzig! Genauso wie die Interviewer diverser Schlagerradios, die schlichtweg nicht zum Moderator (schon gar nicht vor der Kamera) geeignet sind – und sich meist nicht einmal richtig mit dem Künstler und seinem Produkt auseinandergesetzt haben. So gestaltet sich dann auch das Interview, da kann einem der Künstler schon leid tun!

Es ist von enormer Wichtigkeit, dass auch im Segment „Schlager“ die Professionalität im Vordergrund stehen muss. Wenn der Konsument sich veräppelt oder gar schlecht informiert fühlt, geht es nicht weiter! Nur die Lobeshymnen der Label tausendfach zu verbreiten reicht keinesfalls aus. Die eigene Meinung eines Redakteures, der sich das Produkt (Album, Single) des Künstlers angehört, kann auch beurteilen. So setzt man Kaufimpulse frei. Der Leser will sachlich informiert werden – es muss eine redaktionelle Meinungsbildung stattfinden, wie das in anderen Genres seit Jahren selbstverständlich ist. Es nutzt keinem Leser was, wenn er sich Fotos eines Redakteurs anschauen muss, der sich mit dem Künstler hat ablichten lassen. Das ist nur was für’s eigene Ego!

Ich hoffe sehr, dass bald ein Umdenken in den Chefetagen der Label stattfindet, denn viele Unzulänglichkeiten sind tatsächlich hausgemacht. Sie alle wollen doch Geld verdienen, mit ihren Künstlern mächtig Umsatz generieren. Das geht auch – und vor allem, mit Schlagermusik. Wenn genau hingeschaut wird und die richtigen Schritte einleitet – man wieder mit dem Herzen dabei ist und schaut was das Volk will, dann sind wir einen großen Schritt weiter! In diesem Sinne, ICH finde Schlager toll und stehe auch dazu!

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Über Dirk Neuhaus (926 Artikel)
Er gehört zur Stammbesetzung von Hit-Oase.de und schreibt News, verfasst Specials, Konzertberichte sowie CD-Besprechungen.

1 Kommentar zu Deutscher Schlager – Erfolgreich, oder nicht?

  1. Claudia // 13. Juli 2014 um 13:33 //

    Ein wirklich guter Artikel, der den Nagel so ziemlich auf den Kopf trifft. Auch wenn man zur Zeit das Gefühl hat und es auch von den Medien im Moment so vermittelt bekommt, dass Schlager zur Zeit absolut angesagt ist (hallo Helene Fischer, Andrea Berg, Beatrice Egli, Andreas Gabalier und ein paar wenige andere gemäss Artikel), sieht es, beim genaueren Hinschauen eben doch so aus, wie oben beschrieben. Es sind im Endeffekt wirklich nur eine handvoll Schlagersänger, die „gross abkassieren“, bzw. ihre Musik gut verkaufen. Der Rest wird halt einfach ab und zu mal wahrgenommen oder eben auch nicht.

    Entweder lieben die Leute den Schlager oder sie hassen ihn. Man hat manchmal den Eindruck, es gäbe gar nichts dazwischen. Immerhin kann man dem Schlager zugute halten, dass es im Fernsehen wenigstens doch noch die eine oder andere Sendung gibt, wo die Sänger auftreten können, obwohl man aber doch immer wieder die selben Leute zu Gesicht bekommt. Für Pop- und Rockkünstler sieht es da schon eher düster aus. Da fehlen Plattformen im TV um sich und seine Musik zu präsentieren und an die Leute zu bringen. Stadtfeste, Open Airs, etc. sind gut, aber eine viel grössere Masse erreicht man eben immer noch bei TV-Auftritten.

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