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Jörg Bausch in Concert!

Das Jörg Bausch-Konzert im Bochumer Theater des Musicals Starlight Express.

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Joerg Bausch Joerg Bausch - Bildrechte: Tobias Brockly

Am 15. Februar 2016 – einem Montag, veranstaltete der Essener Popschlager-Pionier Jörg Bausch bereits zum dritten Mal sein Solokonzert im Bochumer Theater des Musicals Starlight Express. Schon wenige Tage vorher galt das Konzert als ausverkauft, womit sich das Experiment, das im Oktober 2013 zum ersten Mal eingegangen wurde, als äußerst erfolgreich bewiesen hat. Damals war er der erste Künstler überhaupt, der dort ein eigenes Konzert spielen durfte, denn bis dato hatte dort nie etwas anderes als eben das Musical Starlight Express stattgefunden, für das diese Kulisse 1988 eigens gebaut wurde.

Eröffnet wird die Show mit seinem Klassiker „Wie ein Wolf in der Nacht“, das durch sein langes Intro und dem ersten Auftritt der an diesem Abend noch regelmäßig zu bewunderenden Skatertruppe eine gespenstige Atmosphäre verbreitet. Viel Nebel, der satte Sound einer Kirchturmglocke, sowie die von den Skatern im Dunkeln bewegten Grablichter tun dazu ihr übriges. Als nach der kurzen Gruseleinlage dann die ersten Töne des für Jörg Bausch bekannten Bass-Beats einsetzen, hält es fast niemanden mehr in den bequemen Musicalsitzen. Von diesem Moment an jagt ein Hit den nächsten: „Leuchtturm“, „Tornado“, „Herz in Not“, „Auf dünnem Eis“ oder „Mann im Mond“. Bausch setzt bereits in der ersten Konzerthälfte auf ein bewährtes Best Of-Programm, das bei nahezu jedem Song durch originelle Einlagen seiner Tänzer- und Skaterbegleitung visuell unterstützt wird. Es gibt Momente während dieses Konzerts, da weiß man gar nicht wo man zuerst hinsehen soll. Wer einmal kurz blinzelt, läuft schon Gefahr etwas zu verpassen. Und wenn es nicht die Akrobaten sind, die irgendwo durch die verschlungenen Wege der futuristischen Kulisse wuseln, dann ist es der Mann des Abends persönlich, der die Gelegenheit und die Gegebenheiten des Theaters für ein Shake Hands mit seinen Fans ausnutzt. Mal zu Fuß, mal auf dem Motorrad, mal auf seinem Segway namens „Black Beauty“ – Bausch zeigt sich immer ganz in Fan-Nähe.

Bausch vertraut an diesem Abend aber nicht nur auf eigenes Material. Er streut auch einige Coverversionen ins Programm, von denen das mit Dancebeat unterlegte „Auf anderen Wegen“ (Andreas Bourani) erst kürzlich als Single erschienen ist und Nino de Angelos „Doch Tränen wirst du niemals sehen“ schon vor Jahren einer Foxbehandlung unterzogen wurde. Überraschender war da schon der Moment, als er Peter Maffays „Nessaja“ anstimmt und damit – vielleicht unbeabsichtigt, einen Song aus einem anderen Musical covert. Wer danach dachte, Bausch hätte sich hiermit an genügend Klassiker gewagt, der hatte ganz weit hinten am Horizont noch nicht die nächste Überraschung aufziehen sehen, denn auch die zweite Konzerthälfte sollte nicht coverfrei bleiben.

Nachdem Bausch kurz lamentiert, dass es kaum noch Plattformen für den deutschen Schlager gäbe und die Frage stellt, was denn an dem was er und viele Kollegen produzieren so furchtbar sei, dass es keiner spielen möchte, schwelgt er in Erinnerungen an die 1990er Jahre. Bausch erzählt, wie es damals jemanden gab, der der Szene trotz oder gerade wegen seiner unkonventionellen Art neues Leben einhauchte. Damals seien es die elektrischen Gitarren gewesen, heute die harte Bassdrum, an der sich Genrepuristen stören. Er ruft kurz irgendwas von „unser Wolle“ und schon erklingt das Intro von „Sehnsucht nach dir“, das gefolgt von „Augen zu und durch“ und „Weiß der Geier“ ein Wolfgang Petry-Medley bildet. Kurios; die Bausch-Fans zeigen sich dabei fast textsicherer als bei vielen Songs des Mannes, für den sie eigentlich angereist sind. Aber eigentlich auch kein Wunder, hört man Medleys dieser Art doch in nahezu jedem Bier- und Festzelt. Und da liegt dann auch das Problem: Solche Einlagen kennt man sonst nur von Künstlern, die noch nicht genügend eigene Hits vorzuweisen haben und damit dann versuchen das Publikum anzuheizen. Ein Künstler wie Jörg Bausch hat sowas nicht nur nicht nötig, es liegt auch eindeutig unter seinem Niveau.

Aber es gibt darüber hinaus natürlich auch weiterhin viele starke Momente. So kommt beispielsweise zu „Kinderträume schlafen nie“ ein Kinderchor auf die Bühne oder wird bei „Am Zuckerwattenstand“ durch das Skater-Ensemble eine verspielte Kirmes-Atmosphäre geschaffen. Die technische Ausrüstung vom Starlight Express bestehend aus Laser-Effekten, beleuchtbarem Sternenhimmel und einer neun Tonnen schweren schwenkbaren Brücke werden je nach Situation passend eingesetzt.

Jörg Bausch scheint vor seinem Auftritt einen kräftigen Schluck Quasselwasser getrunken zu haben, denn er erzählt zwischen den Songs gerne mal die ein oder andere Geschichte und nicht selten verliert er sich dabei in Nebensächlichkeiten. So erfahren wir, dass er seinen Song „Ich lieg so da“ tatsächlich im Liegen geschrieben hat und wie viele Anläufe er brauchte um endlich mit dem Rauchen aufzuhören. Oder man wird Zeuge einer albernen und chaotischen Tanzanleitung zu „Alles ist ideal“ bei der der Essener sich als absoluter Nichttänzer outet und die eine gefühlte Ewigkeit lang dauert.

Im Finale der Show reißt er dann aber noch einmal alle aus den Sitzen und gibt mit „Großes Kino“ und „Dieser Flug“ seine beiden bekanntesten Hits zum Besten. Die über zweistündige Show findet dann mit einem „Best of Hitmix“ als Zugabe ein Ende. Wer sich danach immer noch nicht genug „verbauscht“ fühlt, kann sich im Foyer zur Autogrammstunde und Fotosession anstellen. Für den ein oder anderen sicherlich ein langer Montag!

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