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Überschall – das neue Album von Michael Wendler

Der Longplayer besticht durch einprägsame Melodien und griffige Texte, in denen nicht selten viele frische Ideen stecken.

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Michael Wendler (Überschall)

Ist es eigentlich ein gutes Zeichen, wenn man beim Hören eines Albums die ganze Zeit über ein breites Grinsen im Gesicht hat und sich teilweise schon bei den Intros der einzelnen Songs eine Gänsehaut einstellt? Das hängt natürlich von der Art des Grinsens ab und ob die Gänsehaut eher gruseliger oder wohliger Natur ist, könnte eine Antwort darauf lauten. Und bei welchem Künstler wäre sie wohl angebrachter als bei Michael Wendler. Dass wir uns hier nicht falsch verstehen: der Rezensent, der hier das neue Werk Überschall des Wendlers bespricht, ist ihm durchaus wohlgesonnen, befindet sich aber nicht selten auch in einem ambivalenten Verhältnis zu seiner Person und seinem musikalischen Schaffen. Man fragt sich schon manchmal, was es denn nun genau ist, das einem an dieser Musik gefällt. Schließlich ist der Noch-Dinslakener-Villa-Besitzer auch nach fast zwanzig Jahren im Business immer noch nicht der weltbeste Sänger geworden, der die deutlichste Aussprache oder das punktgenaueste Timing besitzt. Aber trifft all‘ das nicht auch auf einen Herbert Grönemeyer zu? Okay, die Villa in Dinslaken mal ausgenommen.

Starten wir lieber in das neue Album mit dem ersten Song „Liebe geht anders“, der im angenehm gemäßigten Stil das Album eröffnet und dabei Erinnerungen an den Vorgänger „Die Maske fällt“ wachruft, wo der gleichnamige Titelsong auf eine ganz ähnliche Stimmung setzte. Noch nicht die ganz große Wendler-Hymne zu Beginn, wenn auch als einer von insgesamt drei Songs im Alleingang geschrieben (bei den restlichen Stücken half Tom Marquardt) – trotzdem durchaus sehr solide und sogar ein bisschen innovativ. Innovation ist überhaupt das Schlagwort, das im Vorfeld zur Veröffentlichung bereits mehrfach gefallen ist. Vielleicht sind damit ja die neuen Soundgimmicks gemeint, die in den Intros vieler Songs eingearbeitet wurden und die erstmals zu einem Großteil unter Zusammenarbeit mit Produzent Jack Price entstanden sind. Stammproduzent Hermann Niesig saß diesmal übrigens nur bei vier Songs am Mischpult.

Schwer zu beschreiben wie die neuen Elemente klingen … etwas wie verhallte Rufe aus einer Zwischenwelt, die in Fragmenten nachklingen und so ein sphärisches Klangbild ergeben. Das erste Beispiel dazu hört man in Song Nr. 2, „Die Welt steht Kopf“. Eine Nummer, bei der es mit der Zeile „selbst bei 180 Grad ist es mir zu kalt“ eine nette Selbstreferenz aufs eigene Schaffen gibt und die mit ihrer packenden Hookline sofort per Direkt-Injektion ins Blut geht.

Einen ganz ähnlichen Effekt hat auch die erste Auskopplung „Wie beim ersten Mal“, die absolute Hitqualitäten besitzt und ebenfalls nicht mehr aus dem Ohr verschwinden will. Immer wieder hören möchte man auch „Immer wieder“, die vierte Nummer des Albums, die den roten Klangfaden fortführt und ebenso tanzbar ist. Zeilen wie „solange ich atmen kann, tu ich mir keine Andere an, die mir nicht wie du gefällt“ sehen auf Papier immer ein bisschen dünn und holprig aus, entfalten aber dann in Kombination mit den Wendlerschen Power-Refrains ihren vollen Charme und wachsen zu gigantischer Größe heran.

Dancefloor- und Discofox-Hymnen sind zwar das Markenzeichen des Wendlers, aber es gab ja in der Vergangenheit auch immer wieder mal die ein oder andere feine Ballade. So auch hier „Nicht noch einmal sterben“, einer Gänsehautnummer, bei der man noch vor ein paar Jahren die Feuerzeuge oder Wunderkerzen hochgehalten hätte – heute sind’s halt eher die Handys.

Im Anschluss an diese kurze Atempause wird ab „Jede Träne ist geweint“ das Tempo wieder aufgenommen, um dann bei „In den Wahnsinn“ die Angebetete in selbigen zu lieben und ihre „großen Pläne noch größer (zu) schmieden“ oder „ab jetzt nur wir“ auf Häuserwände zu schreiben. Es sind diese kleinen markigen Einzeiler, die einem hier immer wieder begegnen und die sofort im Kopf bleiben.

In „Nichts auf unserer Haut“ geht es dann um eine gewisse Nina aus Berlin, bei der aber nicht klar ist, ob es die selbe Nina ist, die bereits 2008 namensgebend für einen Wendler-Hit war. Musikalische Schnittpunkte gibt es zwischen den beiden Ninas nur geringfügig und interessanterweise entwickelt der Song auch erst in der gegen Ende des Albums folgenden Balladen Version sein volles Potential. Was ist da los? Wird der Wendler etwa zum balladesken Schmusekater? Klares Nein, denn mit „Keine Sorgen“ folgt wieder eine starke Dancenummer und die zu diesem Zeitpunkt erst zweite, bei der Michael als alleiniger Autor in den Credits steht. Das Resultat kann symbolisch für die Weiterentwicklung gesehen werden, die er im Laufe der Jahre vollzogen hat und nimmt dabei gleichzeitig all jenen den Wind aus den Segeln, die immer behaupten, dass ja am Ende doch eh nur ein Song wie der andere klinge. Tolles Songwriting mit einer Melodie, die vor allem im Refrain wunderbar aufgeht.

Zum Ende des Albums folgt nach dem soliden Titelsong eine als 2016er Remix betitelte Version von „Rock Me Dancer“, im Original eine Nummer vom letztjährigen Album „Die Maske fällt“, wobei die Bezeichnung Remix dem Ergebnis eigentlich nicht gerecht wird. Schließlich haben wir es hier mit einer kompletten Neuaufnahme des Songs zu tun, bei der nahezu alles – von der Gesangsspur bis hin zum Arrangement – überarbeitet und aufgefrischt worden ist. Traditionsgemäß gibt es wie bei jedem Wendler-Album einen zusammenfassenden, abschließenden Hitmix als definitiven Schlusspunkt dieser überaus starken CD.

Wieder mal ist es diese Mischung aus fiependen Synthesizern, Eurodance-Beats, einprägsamen Melodien und griffigen Texten, in denen nicht selten viele frische Ideen stecken, die dieses Album im weiten Meer der Veröffentlichungen herausstechen lassen. Hinzu kommt noch eine Prise Edel-Trash, etwa wie die Geissens – nur mit Musik. Produktionstechnisch kommen die Songs unter der Regie von Hermann Niesig (1, 9-11) minimal besser weg, auch wenn die neuen Impulse von Jack Price (2-8, 12, 13) insgesamt als die originelleren zu werten sind. Leider nimmt man in den Price-Songs aber teilweise auch eine leichte Übersteuerung bei den Gesangsparts war, was zwar nur geringfügig auffällt, aber den Gesamteindruck doch etwas ins Trübe zieht. Die Innovation von Price kombiniert mit der Perfektion von Niesig wäre hier wohl die optimale Lösung gewesen.

Überschall - Michael Wendler

Titel: Überschall
Künstler: Michael Wendler
Veröffentlichungstermin: 11. März 2016
Label: Ariola
Vertrieb: Sony Music
Format: CD & Digital
Genre: Schlager, Pop, Dance
Laufzeit: 48:45 Min.
Tracks: 13
Bewertung: 4,5 von 5 möglichen Punkten!

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Trackliste:

01. Liebe geht anders
02. Die Welt steht Kopf
03. Wie beim ersten Mal
04. Immer wieder
05. Nicht noch einmal sterben
06. Jede Träne ist geweint
07. In den Wahnsinn
08. Nichts auf unserer Haut
09. Keine Sorgen
10. Überschall
11. Rock Me Dancer (Remix 2016)
12. Nichts auf unserer Haut (Balladen-Version)
13. Der Überschall Hitmix

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