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Ost-Rock 2.0: Kultband Silly ist auf „Wutfänger Tour“ unterwegs in Deutschland

Wutfänger Tour 2016. Silly gastierten im Alten Schlachthof in Dresden.

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Silly - Live in Dresden Silly, Live in Dresden - Bildrechte: Andreas Weihs

Als die charismatische Frontfrau Tamara Danz gegangen ist, sahen viele Fans das Ende der Gruppe Silly direkt vor sich. In der Tat dauerte es auch einige Zeit, ehe sich die Band wieder fand, sich zwischenzeitlich ausprobierte und für die Zukunft rüstete. Nach verschiedenen Gastmusikern fand sich die heutige – und nunmehr auch schon seit einigen Jahren bestehende – Besetzung mit Keyboarder Ritchie Barton, Gitarrist Uwe Hassbecker und Bassist Jäcki Reznicek sowie der „neuen“ Sängerin Anna Loos, die seit 2006 fest dazu gehört. Mit ihrem aktuellen Album „Wutfänger“ sind Silly wieder auf den deutschen Bühnen unterwegs und gastierten u.a. auch im Alten Schlachthof in Dresden.

Anna Loos, die man bis zu ihrem Einstieg in die Band lediglich als Schauspielerin wahrnahm, hat sich zwischen den Herren wirklich warm gelaufen. Als Sängerin ist sie eine würdige Nachfolgerin von Tamara Danz. Niemals kopierte sie nur, nie wollte sie in die großen Fußstapfen treten, nie wollte sie die Rolle der Danz einnehmen. Und doch wurde sie immer wieder mit ihr verglichen. Die Medien untersuchten Parallelen in den Texten zwischen Danz und Loos, analysierten den Gesang, arbeiteten Gemeinsamkeit und Unterschiede heraus, je nach Standpunkt des Rezensenten.

Anna Loos, Silly-Konzert, Live in Dresden

Anna Loos, Silly-Konzert, Live in Dresden – Bildrechte: Andreas Weihs


Mit Respekt näherte sich die ebenso aus dem Osten stammende, nunmehr auch – Sängerin Anna Loos, einer der populärsten Rockbands des Ostrock, den Originalen, zeitlosen Hits wie „Verlorene Kinder“ oder „Bataillon d’Amour. Doch mittlerweile gibt es nach „Alles Rot“ und „Kopf an Kopf“ das bereits dritte „Nach-Danz-Album“, „Wutfänger“ betitelt. Nachdem sich die Kritik einig war, über Tiefgang in den Songs und die würdevolle Nachfolge der einst ebenso erfolgreichen wie auch kritischen Rockband der DDR, und sie das Album „Alles Rot“ und auch beim Nachfolger „Kopf an Kopf“ unisiono die neuen Songs lobten, teilten sich die Meinungen beim aktuellen Album. Während die Fans ihren Idolen nach wie vor die Treue hielten, bemängelten Andere ihrer Meinung nach die Hinwendung der Band zum Mainstream, zum Pop, zu beliebigen Texten bis gar hin zu Plattitüden in den Aussagen.
Anna Loos und Uwe Hassbecker, Silly-Konzert, Live in Dresden

Anna Loos und Uwe Hassbecker, Silly-Konzert, Live in Dresden – Bildrechte: Andreas Weihs


Auf der Bühne agiert Frontfrau Anna Loos zeitweilig quirlig, agil, voller Energie, die raus muss. Die Fans in den ersten Reihen gehen bereitwillig mit, kein Wunder, offensichtlich gehören sie zum Fanclub der Band, wie an übergrüßen Plakaten zu erkennen ist. Sie klatschen, singen mit und sind voller Leidenschaft bei der Sache. Dass Original und Silly 2.0 durchaus gleichen Sinnes sind, besingt Anna Loos mit den Zeilen: „Der größte Krieger muss nie kämpfen, der größte Streiter muss nie streiten, der größte Sieger muss nie siegen und der größte Verlierer hat nichts zu verlieren, es gibt kein Land zu erobern, nur Grenzen zu sprengen.“ Damit ist auch für den Letzten in der hintersten Reihe klar, wohin die Reise geht. Aber natürlich geht die musikalische Reise auch weit zurück, zu „Mont Klamott“ beispielsweise, einem ihrer bekanntesten Hits, der zunächst akustisch beginnt und dann eine fulminante Steigerung erfährt. Ein durchaus als „kritisch“ zu bezeichnender Song, in dem Silly schon damals auf die beginnende Zerstörung der Umwelt aufmerksam machen wollten.

Irgendwie erscheint der Auftritt von Silly wie eine Gratwanderung, bei der jederzeit jemand abrutschen kann in den Abgrund. Die früheren Lieder, mit Tamara Danz bekannt und zum Kult geworden, und im Gegensatz dazu die neuen Lieder, die schon weit mehr im Pop zu verorten sind, abgelegt in einer Schublade, wo sie nicht „weh“ tun. Dabei geben sich die Musiker im Konzert jede Mühe, dem Publikum die Unterhaltung zu bieten, die sie erwarten. Und irgendwie funktioniert das auch.

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