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Keine Panik in Riesa – Udo Lindenberg macht sein Ding

Der Nuschel-Rocker schwebte ein, sang und verschwand mit einer Rakete.

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Udo Lindenberg - Riesa 2017 Udo Lindenberg - Riesa 2017. Bildrechte: Andreas Weihs

Zugegeben, das war alles etwas kleiner als bei der Stadiontour, was Udo Lindenberg nun bei seinen Hallenkonzerten auffährt. Doch es ist und bleibt eine gigantische Unterhaltungsshow, die der Panikrocker zusammen mit seinen zahlreichen Gästen auf der Bühne zelebriert. Nur wenige Tage vor seinem 71.

Geburtstag machte Deutschlands bekanntester musikalischer Nuschler mit seinem Troß auch in der Sachsen-Arena in Riesa halt – und rund 8000 Fans ließen sich das nicht entgehen. Spätestens mit dem Album „Stark wie Zwei“ (2008) loggte sich Lindenberg wieder fest ein in die deutsche Musiklandschaft. Damit setzte er – fast schon im Rocker-Renten-Alter – zu einem beispiellosen Siegeszug an, füllte fortan sogar Stadien und hatte eine Nummer 1 in den Charts. Wer den Sänger gedanklich schon abgeschrieben hatte, wurde eines Besseren belehrt.

Inzwischen hat er mit „Stärker als die Zeit“ (2016) nachgelegt und setzte damit seinen Erfolgsweg fort. Zu den Klängen von „Odyssee“ schwebte Lindenberg über den Köpfen seiner Fanshin zur Bühne, lüftete nochmal seine dunkle Brille und wurde schon dabei frenetisch gefeiert, als wenn damit bewiesen wäre, dass er ohne Mühe über’s Wasser gehen könne. Naja, irgendwie war es ja auch so, denn: „Einer muss den Job ja machen“! Es scheint als gelinge dem Sänger derzeit alles. Und seine Fans folgen ihm dabei. Soweit jedenfalls Udo bei seinen gewohnten Statements und Botschaften bleibt, das Zusammengehörigkeitsgefühl beschwört, das Positive im Leben und den Optimismus. Aber der Panikrocker sagt auch seine Meinung und polarisiert damit. Auch in Riesa. Zum „Führer“ flackerten auf der LED-Wand übergroße Bilder von Le Pen, Erdogan, Trump. Und er rechnete mit AfD-Politikern ab, besang sie als „neue rechte Hetzer“. Da wurde es im Publikum schon ruhiger, nicht jeder, der hier stand, konnte sich mit diesen Botschaften anfreunden. Auch das Loblied auf die „Bunte Republik Deutschland“ erreichte in diesen Zeiten nicht jeden Zuhörer. Doch die Verschrecktheit der Lindianer ist nicht allzu groß, die Udomania und Lieder wie Honky Tonky Show“ und „Horizont“ vereinte schließlich alle wieder in „trauter Panik“.

Udo Lindenberg schwebt in Riesa auf die Bühne

Udo Lindenberg schwebt in Riesa auf die Bühne. Bildrechte: Andreas Weihs


Auch auf der Hallentour fehlten kaum die Gigantomie, die Kracher und Knaller, das musikalische Feuerwerk, so wie man es aus den Stadien kennt. Die Bühne immer noch riesig, mit einer Mega-Projektionsfläche für Bilder und Effekte, lang und breit der Laufsteg durch das Publikum. Keine Panik für Udo, er maß mit forschen Schritten jeden Meter aus, blickte Jedem mal auch ohne dunkle Brille in die Augen und sang dabei wie eine Nachtigall. Es war, als wäre die Zeit angehalten und Udos Körper schon vor Jahren in seiner Bestform steckengeblieben. Offensichtlich schadete ihm das eine oder andere Likörchen nicht.
Der Panikrocker in Aktion

Der Panikrocker in Aktion. Bildrechte: Andreas Weihs


Natürlich sorgte das Panikorchester wieder für den bewährten Druck im Sound, für hämmernde Keyboards, jaulende Gitarren und einen straffen Beat. Seit vielen Jahren stehen Jean-Jacques Kravetz, Bertram Engel, Hendrik Schaper, Carola Kretschmer, Jörg Sander, Steffi Stephan und Hannes Bauer an der musikalischen Seite der „Linde“, stricken das Backing, den Teppich, auf dem der Sänger sicher ausschreiten kann. Dazu die Pustefix-Bläser, die Panik-Kids, die Panik-Tänzerinnen und die Panik-Vocals, mit einer stimmlich unglaublichen Nathalie Dorra, die vielen Liedern noch einen besonderen Kick gab (nicht nur durch ihr „heißes“ Outfit!). Das alles machte die Show zu großem Entertainment über Generationen hinweg.

Neben den Songs seiner beiden „Comeback“-Alben präsentierte Lindenberg eine kleine Zeitreise durch sein eigenes Leben und vier Dekaden deutscher Rockmusik. Er besang „Die Herzen der stolzesten Frau’n“, das „Cello“, outete sich als Rock’n’Roller“ – und je später der Abend, desto geballter das Hit-Feuerwerk: „Johnny Controletti“, „Der Sonderzug nach Pankow“, „Andrea Doria“ und natürlich das fulminante Finale mit „Candy Jane“. Doch damit war noch lange nicht Schluß, es brauchte immer noch vier Zugaben, u.a. „Reeperbahn“ und „Goodbye Sailor“, bevor sich Udo seinen Raumanzug überstülpte, als Udonaut mit einer Rakete in einem gewaltigen Feuersturm verschwand und ein begeistertes Publikum hinterließ.

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