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Roland Kaiser: Grenzenlos – Kaiser im Palast

Der Kaiser präsentierte zur Begeisterung der Fans seine Hits im Dresdner Kulturpalast im sinfonischen Gewand.

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Roland Kaiser: Grenzenlos – Kaiser im Palast Roland Kaiser: Grenzenlos – Kaiser im Palast. Bildrechte: Sony Music Entertainment Germany

Der Stadt Dresden hat Roland Kaiser viel zu verdanken – und umgekehrt. Bei dieser besonderen Beziehung ist es kein Wunder, dass er einer der ersten Künstler war, die den Dresdner Kulturpalast nach dreijähriger Umbauzeit wieder „einweihen“ durften. Alle „kaiserlichen“ Meisterwerke wurden sehr schön umarrangiert und einem klassischen Gewand unterzogen. Dieses besondere Konzertereignis wurde aufgezeichnet und als DVD unter dem Titel Grenzenlos – Kaiser im Palast veröffentlicht.

Neben seinen großen Erfolgen und aktuellen Hits widmete sich Roland Kaiser in seinen Ansagen auch immer wieder der klassischen Musik und erzählte kurzweilig von Bach, Händel und Wagner, die „die Schlagerkönige ihrer Zeit“ gewesen seien (laut Booklet war Udo-Jürgens-Textdichter Oliver Spiecker als Autor der Texte zuständig). Die schwierige Aufgabe, den „damaligen“ mit dem heutigen Schlager zu verbinden, hat Kaiser in Zusammenarbeit mit den exzellenten Musikern der Dresdner Philharmonie, dem tollen Philharmonischen Chor Dresden und einigen Special Guests bravourös gemeistert.

Standesgemäß wurde das Konzert mit einer Ouvertüre eröffnet, die mit Bildern des Kulturpalastes Dresden unterlegt wurde. Sehr originell wurde dann der erste kaiserliche Song gespielt – mit bombastischem Arrangement, das an Filmmusik erinnert und mit klassischen Anleihen – toll in Szene gesetzt auch vom Philharmonischen Chor Dresden. Die Hymne „Dich zu lieben“ aus dem Jahr 1981 ist gleich das erste Highlight des „Grenzenlos“-Konzerts. Mit „Das Beste am Leben“ präsentiert Roland dann direkt eine Single seines aktuellen Albums im neuen Gewand.

Nach einem kurzen Ausflug in die klassische Welt des Komponisten Richard Wagner trägt Kaiser ein Lied seines gleichnamigen Produzenten mit Vornamen Peter vor. „Ich glaub, es geht schon wieder los“ veranlasste das Publikum des ehrwürdigen Kulturpalastes zum Mitklatschen. Im Kontrast dazu präsentiert Kaiser die aktuelle Ballade „Halt mich noch einmal fest“ aus der Feder Nino de Angelos.

Erneut geht es mit „Wagner-Festspielen“ weiter – dem von der Dresdner Philharmonie gespielten „Vorspiel zum 3. Akt aus Lohengrin“ aus der Feder Richard Wagners folgt die Peter-Wagner-Komposition „Alles, was Du willst“. Dazu holte sich Roland Unterstützung von der charmanten Sopranistin Simone Kermes, die einen schönen und kräftigen Kontrastpunkt zu Rolands sonorer Stimme setzte. Erneut wurde kräftig mitgeklatscht. Mit der Saxophonistin Tina Tandler, „Kaisermania“-Fans bestens bekannt, gibt es dann zeitweise richtig Frauen-Power im Kulturpalast Dresden zu hören und sehen.

Simone Kermes entführt die Kaiser-Fans dann in die 300 Jahre zurückliegende Barockzeit. Damals, so die Sopranistin, habe das Orchester ohne Dirigent gespielt, und es war auch kein Platz für einen Dirigenten. Die Herren mussten ergo die Bühne kurzfristig verlassen. Mit „Son qual nave“ bekommt das Publikum einen Einblick in Kermes‘ Repertoire. Mit „Ein Leben lang“ gibt es dann eine weitere Nummer aus dem aktuellen Kaiser-Repertoire – eine schöne balladeske Liebeserklärung inklusive eines wunderschönen Tandlerschen Saxophon-Solos. Die ebenfalls aktuelle Uptempo-Nummer „Kein Problem“ ist sehr typisch für Roland Kaiser – den Fans gefällt’s – die Mitklatsch-Tiraden fangen an, etwas zu „irritieren“ – aber auch diesen Titel hat man großartig klassisch umarrangiert.

Bekanntlich ist „Warum hast Du nicht nein gesagt“ inzwischen zu einem DER Kaiser-Hits überhaupt geworden. Diesmal blieb Textdichterin Maite Kelly zu Hause, aber ihre „Vertreterin“, die imposante Backgroundsängerin Christiane Eiben, machte ihren Job mehr als gut.

Wer meint, Dieter Bohlen-Kompositionen würden sich nicht für klassische Arrangements eignen (im aktuellen Mary-Roos-Programm wird deshalb im Bohlen-Block ausnahmsweise auf Halbplaybacks zurückgegriffen), wird von Roland Kaiser und seinen Musikern eines Besseren belehrt – selbst der Klassiker „Midnight Lady“ wurde klassisch umarrangiert. Mit „Grenzenlos“ stellte Roland einen eigens für den Konzertabend komponierten brandneuen Song vor. Hoch dramatisch wurde es dann mit dem Klassiker, den Kaiser Anfang der 1990er Jahre erstmals veröffentlichte, „Im 5. Element“.

Nach einer Erklärung, woher der Begriff „Taktstock“ stammt, präsentierte Roland einen seiner ersten Hits: „Schach Matt“ – ein Titel, der noch heute modern und stimmig wirkt – eingeleitet von einem tollen Intro des Philharmonischen Chors Dresden, präsentierte Kaiser auch diesen Klassiker mitreißend. Mit „Manchmal möchte ich schon mit Dir“ folgt ein Hit ähnlichen Kalibers auf dem Fuße.

Mit dem „Ungarischen Tanz Nr. 5“ von Brahms ging es klassisch weiter – Kulturbanausen ist das Stück vielleicht auch schon aus einem beliebten Otto-Waalkes-Programm („Hilfe, Otto kommt“) bekannt – in dem Sketch nahm Otto auch die Tendenz des mitklatschenden Publikums aufs Korn. Romantisch ging es mit „Lieb mich ein letztes Mal“ weiter – Anfang der 1980er war Roland erstmals auf dem Gipfel des Erfolgs angekommen, dazu trug auch dieser von G. G. Anderson komponierte Superhit bei.

Eine echte Überraschung stellte eine klassische Melodie dar, die Eingeweihten bekannt ist – mit Udo Jürgens‘ erster Komposition „Valse Musette“ wurde ein großer Udo-Jürgens-Block eingeläutet. Das Orchester konnte sich an Udos großen Kompositionen austoben, und auch Roland Kaiser hatte sichtlich Spaß, diesem Jahrtausend-Künstler zu huldigen. Mit „Aber bitte mit Sahne“, Ein ehrenwertes Haus“, „Griechischer Wein“ und „Ich war noch niemals in New York“ suchte man sich vier der größten Hits Udos aus. Fast zehn Minuten hat man sich dafür Zeit genommen – es hat sich gelohnt! Mit Udo Jürgens verbindet Roland schließlich einiges – beide haben über Jahre hinweg mit Joachim Heider zusammengearbeitet, beide wurden bzw. werden von Peter Wagner produziert. Kaiser hat allerdings auch zu Lebzeiten nie einen Hehl aus seiner Bewunderung für Jürgens und seine Musik gemacht, dabei sogar unbekannte Lieder wie „Noch einmal 25“ textsicher zitieren können…

Sehr leise und romantisch, von einer leisen Violine (gespielt von Konzertmeister Wolfgang Hentrich) eingeläutet, geht es mit der Joachim-Heider-Nummer „Die Gefühle sind frei“ weiter. Dass die Gefühle nicht immer frei waren, daran erinnert Kaiser mit dem Maffay/Karat-Klassiker „Über sieben Brücken muss Du geh’n“. Er bat sein Publikum, den Refrain einzustimmen und damit den „größten Chor des Abends“ zu bilden.

Mit Erklingen des „Ave Maria“ ahnt das Publikum, was kommen würde, nämlich Rolands wohl größter Hit „Santa Maria“. Mit Trompeten wurde dann „Sag ihm, dass ich Dich liebe“ eingeläutet – erneut imposant umarrangiert, erneut die deutsche Version eines italienischen Hits. Sehr schön haben sich am Schluss die Backvocals Christiane Eiben, Markus Gahlen und William King in Szene gesetzt (Gahlen und King waren im vergangenen Jahr auch als „The Voices“ mit Pepe Lienhard unterwegs). Nach der deutschen Version eines San-Remo-Siegertitels wurde passend dazu die deutsche Version eines italienischen Eurovisions-Siegerliedes vorgetragen – das sind fürwahr „Extreme“.

Beim nächsten Titel musste Dresden ganz stark sein. Im Vorfeld wurde dem Auditorium nämlich erklärt, dass Aufstehen und Tanzen nicht erlaubt sei, was nicht gerade begeistert zur Kenntnis genommen wurde. (So ganz genau hat man sich daran auch nicht gehalten…). Nun war der Schlager „Joana“ an der Reihe – man stelle sich vor – 1000 Stimmen schreien im ehrwürdigen Kulturpalast „Du geile Sau“ – vielleicht taten es sogar einige Zuschauer, wenn sie Zeilen wie „Dein Lächeln ist Fordern und Flehen“ vernahmen – aber die Pauke war definitiv laut genug, solche Vaux-Pas‘ gar nicht erst entstehen zu lassen.

Kurz vor Konzertende waren noch einmal die Dresdner Philharmoniker unter der Leitung von Nic Raine an der Reihe mit Johann Strauß‘ „Unter Donner und Blitz, Op. 324“. Roland Kaiser beendet sein Konzert mit dem von ihm selbst getexteten „Bis zum nächsten Mal“ aus dem Album „Seitenblicke“, bei dem noch einmal die aus Tina Tandler und Simone Kermes bestehende Frauenpower kräftig mitwirkt.

Auch mit diesem sehr ungewöhnlichen buchstäblich „grenzenlosen“ Konzert bewies Roland Kaiser einmal mehr, dass er eine absolute Ausnahmeerscheinung im Schlagergeschäft ist – wer sich über 40 Jahre hinweg an der Spitze des Genres hält, hat viel richtig gemacht und kann etwas – Kaiser zeigte klar auf, dass er auch ein Publikum in diesem Rahmen würdig zu unterhalten weiß und sein Gesang perfekter denn je ist. Man spürt förmlich, dass Kaiser gerade in den letzten Jahren viele Live-Konzerte gegeben hat und perfekte Routine entwickelt hat, die mit einer erfrischenden Lockerheit gerade bei den Moderationen einher geht. Er ist einer der letzten Entertainer alter Schule, dafür gebührt im Respekt.

Jedem Freund guter deutschsprachiger Musik kann man die DVD (bzw. Blu-Ray) nur ans Herz legen.

Roland Kaiser: Grenzenlos – Kaiser im Palast

Roland Kaiser: Grenzenlos – Kaiser im Palast.

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