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Sarah Jane Scott: So viel

Das zweite Album der quirligen Blondine weiß zu überzeugen: Sarah Jane Scott bleibt sich treu und entwickelt sich doch weiter.

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Sarah Jane Scott - So viel Sarah Jane Scott - So viel. Bildrechte: Ariola

Vor gut einem Jahr hatte die bezaubernde Sarah Jane Scott ihren ersten Fernsehauftritt in einer von Florian Silbereisen präsentierten TV-Show. Die junge US-Amerikanerin aus Pennsylvania hatte mit ihrem Umfeld mehrfach Glück – insbesondere ihr Produzent Stephan Remmler dürfte ihr einige Türen geöffnet haben und ihr vielleicht die Chance gegeben haben, ihren Trumpf auszuspielen: Authentizität. Vor einigen Monaten wurde TV-Urgestein Frank Elstner danach gefragt, welches das Haupt-Erfolgsrezept für einen Star sei, und er nannte genau dieses Zauberwort.

Man nimmt der schönen Blondine, die optisch etwas an Marilyn Monroe erinnert, ihre Schlagerliebe und ihre natürliche Fröhlichkeit einfach ab. Während andere Nachwuchssängerinnen und – Violinistinnen teilweise regelrecht „verbogen“ wurden und sich damit nicht wirklich durchsetzen konnten, befindet sich Sarah Jane auf einem sehr guten Weg. Anfang des Jahres war sie mit Florian Silbereisen (als einzige weibliche Interpretin) auf großer Tour und hat dabei eine sehr gute Rolle gespielt – mehr als 100.000 Zuschauer haben der Wahl-Berlinerin zugejubelt.

Mit ihrem zweiten Album So viel hat sie das Kunststück fertig gebracht, sich einerseits weiterzuentwickeln, sich aber andrerseits absolut treu zu bleiben. Sehr wichtig bei dieser positiven Entwicklung ist sicher der genannte Produzent und Songautor aller Lieder, nämlich Stephan Remmler.

Die CD „So viel“ beginnt mit einem für Sarah Jane typischen Schlager. Das, was Jack White und James Last früher als „Happy Sound“ quasi erfunden haben, wird nun ins neue Jahrhundert übertragen. In einem Forum wurde Sarah Jane Scott als „Enkelin von Gus Backus“ bezeichnet – durchaus ein zutreffender Vergleich. Die metaphorische Zeile „Super, dass es so was gibt – wie gestern Nacht bei Dir“ – jeder weiß, was gemeint ist, und doch wird verklausuliert formuliert – eine Kunst, wie sie Roland Kaiser ja über Jahrzehnte zur Perfektion getrieben hat. Eine gelungene erste Single aus dem Album, die Sarah bei den „Schlagern des Sommers“ und bei „Immer wieder sonntags“ (ungefähr ein Jahr nach ihrem ersten Auftritt bei Stefan Mross) präsentiert hat.

Mit „Du bist die Tränen nicht wert“ gibt sich Sarah Jane emanzipiert – wenn der Angebetete sie „draufsetzt“, kommt sie zum Schluss „andre Mütter haben schöne Söhne“ – auch der Schlager ist ein echter Ohrwurm, der sich als Singleauskopplung eignen würde. Linda Hesses „Ich bin doch kein Mann“ lässt grüßen. Was „alles nur wegen Dir“ passiert – nämlich das Überfahren einer Ampel oder Salz statt Zucker im Kaffee, erzählt uns Sarah im Midtempo-Song „Ganz großes Kino“ und kommt zu dem Schluss: „Ich hab Lust auf die Liebe – ganz großes Kino!“ Das dürfte bei einigen männlichen Fans zum sprichwörtlichen „Kopfkino“ führen!

Mit „Crazy (Nur mit Dir)“ wandelt Sarah gekonnt auf Helene Fischers Spuren. Während der Electropop-Sound an deren Hit „Herzbeben“ erinnert, ist der Text stark an „Mit keinem anderen“ angelehnt. Aber eine gute Kopie kann auch ihren Reiz haben – auch dieser Sarah Jane Scott-Song, den sie in der MDR-Show „Schlager einer Stadt“ vorgestellt hat, trifft voll ins Schwarze. Mit „Mein Lied“ erklingt „über alle Meere dieser Erde“ erneut ein Uptempo-Song, während Sarah Jane sich mit „Wie die Liebe wirklich ist“ von ihrer romantischen und balladesken Seite zeigt. Ohrwurm-Charakter hat der klassische Schlager „Königin“. Der nächste Song dürfte ihrem Freund Cecil Remmler gewidmet sein – jedenfalls konstatiert die blonde Schönheit: „Ich hab immer nur Dich gesucht (und ich hab‘ Dich gefunden)“.

Dass „Fräulein Scott“ eine gute Cover-Interpretin ist, hat sie schon bei einigen Silbereisen-Shows unter Beweis gestellt – von ihr könnte man sich ein ganzes Cover-Album sehr gut vorstellen mit den Klassikern ihrer „Vorgängerinnen“ wie Connie Francis, Conny Froboess, Manuela oder auch Caterina Valente. Auf ihrem Album hat sie einen Klassiker ihres Produzenten und Schwiegervaters in spe, Stephan Remmler, neu eingesungen – „Vogel der Nacht“ wurde in einer schönen neuen Version aufgenommen, die den Charakter des Originalsongs nicht verleugnet.

Textlich originell und vom Rhythmus her etwas an Rainhard Fendrichs „Macho Macho“ erinnernd ist der der Song „Du liebst mich (Du weißt es aber nicht)“ – sie mahnt: „Ein bisschen mehr Mut wär‘ schon gut“. Ebenfalls sehr originell mit Musette-Sounds hinterlegt und einem „old fashioned“ Intro und ihrer Ukulele „Betty“ kommt der Knaller-Song „Supersonnenschein“ daher. Erneut gibt sich Sarah Jane provokant: „Ich nehm‘ das ganz kurze Kleid – denn es ist Sommerzeit“. Gerade in dem Song stechen die Background-Vocals hervor. Ein Blick ins Booklet zeigt: „Wieder mal“ ist hier Chiristoph Leis-Bendorff tätig – man hat fast das Gefühl, dass derzeit keine Schlagerproduktion ohne ihn auskommt – selbst Helene Fischer hat ihn engagiert. Qualität setzt sich eben durch.

Was Sarah Jane Scott mit „Das hat viel Spaß gemacht – doch das ist nicht die Liebe“ meint, wird sich wohl jeder denken können. Leider Gottes muss der Angebetete in diesem Fall hören: „Mr. Right bist Du nicht“. Songautor Stephan Remmler hat schon auf einer seiner CDs konstatiert: „Dass das nicht die große Liebe ist, war klar“ … so richtig aus dem Leben: „Die Zeit mit Dir war schön – und jetzt auf Wiedersehen“ – tja, so kann es manchmal gehen. Man könnte scherzhaft sagen: „Ich lieb Dich nicht – Du liebst mich nicht“ …

Völlig aus der Art schlägt ein Song, der dennoch typisch für Sarah Jane Scott ist. Beim Titel „Alaska“ begleitet sie sich selbst auf ihrer Ukulele. Textlich geht es darum, dass sie nicht im Süden Urlaub machen will, sondern ganz bewusst nach Alaska fliegen will. „Wir schmelzen das Eis in Alaska“ – was früher als lustige Metapher diente, ist heutzutage angesichts des Klimawandels nicht mehr ganz so spaßig. Der nette Schlager ist dennoch witzig produziert – Sarah Janes Lachen am Ende des Songs hat etwas von der legendären Spider Murphy Gang-Nummer „Herzklopfen“, bei der ja auch noch der Spaß der Musiker bei der Aufnahme nicht herausgeschnitten wurde.

Den Knaller-Song „Du bist die Tränen nicht wert“ hat Sarah Jane in einem „Goldbusch Mix“ als Bonustrack auf das Album gepackt. Ganz leise im Hintergrund meint man da die Original Casio-Begleitsounds zu hören, die ganz früher beim Trio-Klassiker „Da da da“ zu hören waren. Auch der lustige Banjo-Sound steht dem Song. Den Abschluss des Albums bildet „Fräulein Scotts“ Debüt-Song „Hallo Hallo“ im Partymix – ein echter Ohrwurm, der auch in der neuen Version einfach Spaß macht.

Mit „So viel“ ist Sarah Jane Scott und ihren Autoren und Produzenten unter der Federführung Stephan Remmlers erneut ein erfrischendes, modernes und stimmiges Album gelungen. Die blonde Amerikanerin wird sicher weiter ihren erfolgreichen Weg gehen – sie hat ihren eigenen Stil gefunden und bringt Professionalität und Musikalität einschließlich der Fähigkeit des perfekten Ukulele-Spiels mit. Ihre Fan-Nähe ist sicher auch ein Baustein des Erfolgs. Für mich ist „So viel“ eines der besten Schlageralben des Jahrgangs 2017 – herzlichen Glückwunsch!

Sarah Jane Scott – So viel: Das Album

Sarah Jane Scott - So viel

Titel: So viel
Künstler: Sarah Jane Scott
Veröffentlichungstermin: 21. Juli 2017
Label & Vertrieb: Ariola (Sony Music)
Formate: CD & Digital
Genre: Schlager

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Trackliste: (Sarah Jane Scott – So viel)

01. Super, dass es so was gibt
02. Du bist die Tränen nicht wert
03. Ganz großes Kino
04. Crazy (Nur mit Dir)
05. Mein Lied
06. Wie die Liebe wirklich ist
07. Königin
08. Ich hab immer nur Dich gesucht
09. Vogel der Nacht
10. Du liebst mich (Du weißt es nur noch nicht)
11. Supersonnenschein
12. Das hat viel Spaß gemacht
13. Alaska (Akustisch aus dem Iglu)
14. Du bist die Tränen nicht wert (Goldrush Mix)
15. Hallo Hallo (Partymix)

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