Florida ist so ein bizarrer Ort Grand Theft Auto VI„Leonida“ – die sensationelle Version des Sunshine State im Spiel – wirkt kaum wie eine Fiktion. Rockstar Games ist dafür bekannt, die Schauplätze seiner Serie auf ein detailliertes Niveau zu bringen, und hat das kommende Soundtrack-Album des Spiels mit etwas für jeden Geschmack in einem Mikrokosmos der amerikanischen Absurdität der 2020er Jahre ausgestattet. Sie haben Morgan Wallen für Grassrivers‘ (The Everglades) Northern Folk; Keith Richards für die Vorstadtbewohner, die im Ruhestand dorthin gezogen sind; und PinkPantheress für die Partygänger, die harmonisch in den Clubs und Stränden von Vice City (Miami) twerken. Das sind vielleicht Lieder für Florida-Leute, aber sind es wirklich „Florida-Lieder“?
„That’s It“ – die All-Star-Kollaboration zwischen den Hip-Hop-Vorreitern der 2010er Jahre Yung Lean, Future und Metro Boomin – ist der einzige bisher veröffentlichte Titel, der eine Art landesweite Allgegenwart erreicht. Rhodes-artige Tasten und sonnendurchflutete E-Gitarren – beide direkt von Jan Hammer Miami Vice Lexikon – verflechten sich mit der schmutzigen, drohenden Trap-Percussion der Gegenwart Floridas. Die Stimmung hier ist gleichzeitig schwül und schick, sonnendurchflutet und düster: ein unbestreitbares Floridian-Motiv, das jeder Künstler im Laufe seiner Karriere auf seine eigene Weise hervorgerufen hat. Future gleitet über den Beat seines langjährigen Kollaborateurs mit einer Finesse, die aus einem mit Bier bespritzten JBL Flip genauso gut klingt wie aus den Lautsprechern eines Stripclubs in Miami. Heutzutage gibt es sowieso keinen großen Unterschied zwischen den Einwohnern Floridas im Norden und im Süden – Laster sind Laster, und sie sind nicht mehr so glamourös wie in den 80ern. In den 2020er Jahren ist der Kampf zwischen Exzess und Vergnügen, den Yung Leans Verse und Hooks zum Ausdruck bringen, von den Sümpfen bis zu den Keys zu spüren: „Geld, Kleidung, Dämonen, Engelsstadt“, alles ist „zu schwer“. Willkommen bei Leonida.
