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Die auf dem Drachen singt: Andrea Berg verursacht ein „Seelenbeben“ und bekommt feuchte Augen

Andrea Berg begeistert tausende Fans in der Arena Chemnitz.

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Andrea Berg, Seelenbeben - Live in Chemnitz Andrea Berg, Seelenbeben, Live in Chemnitz - Bildrechte: Andreas Weihs

Rene Baumann, den alle nur unter seinem Künstlernamen DJ Bobo kennen, sitzt fast unbemerkt von den Besuchern neben den Technikern mit bestem Blick auf die Bühne, wo Schlagersängerin Andrea Berg gerade auf einem Drachen reitet. Konzentriert beobachtet der Schweizer, was da vorn passiert, flippt aber auch manchmal spontan zur Musik aus, singt mit und lacht. Er produziert die Show der Schlagerkönigin und hat sich auch wieder die Bühne ausgedacht und gebaut. Genauso wie ihm geht es auch den Tausenden Fans während des Auftrittes der erfolgreichen Krefelder Sängerin vor wenigen Tagen in der Arena Chemnitz. Die Stimmung ist von Anfang an bestens!

Hoch oben unter der Hallendecke auf dem feuerspeienden Drachen erscheint Andrea Berg und singt im langen, roten, aber sehr offenherzig geschnittenen Gewand, unter dem Jubel ihrer Fans. „Drachenreiter“ – was sonst? Ihre Musiker sind kaum auszumachen in der durchkonzipierten Bühne, in ihren Kostümen. Dazwischen Tänzer, die mit lodernden Flammen umherwerfen, sich zur Musik bewegen und eine Szenerie wie auf einem asiatischen Jahrmarkt lebendig werden lassen. Das ist großes Kino. Hier wird geklotzt! Das ist klar.

Die 50-jährige Sängerin hat sich hier ihr eigenes kleines Wunderland geschaffen, es ist wie im Märchen. Bunte Kostüme, Feuerfontänen, Konfettikanonen, Drachen, Tänzer und – kleine Kinder in Drachenkostümen. Die Berg schwelgt in großen Emotionen, wünscht sich eine heile Welt, in Worten wie in Liedern. Sie singt von Mann und Frau, von Liebe und Trennung, vom Verlassenwerden und dem vermeintlich glücklicheren Leben danach. Man hört es nicht aus ihrem Munde, aber die Botschaft (einiger Lieder) ist nicht zu überhören: Männer sind Schweine. Doch Frau liebt sie (immer) noch, obwohl sie hintergangen und verlassen wurde. Bei ihr gibt nur die ganz große Liebe und das gemeinste Hintergangenwerden. Zwischen diesen extremen Polen ist kaum noch eine weitere Facette möglich. Entweder „Lass mich in Flammen stehen“ oder „Ich schieß dich auf den Mond“, entweder „Ein Tag mit dir im Paradies“ oder „Nicht irgendwann (heute fängt das Leben an)“. Doch rechtzeitig bevor sie als „Männerhasserin“ abgestempelt werden kann, gibt sie zu: „Ich wäre nicht auf all die Hits gekommen – ohne euch. Jungs, ich danke euch!“ Spricht`s und singt „Ich werde lächeln wenn du gehst“.

Andrea Berg umringt von zwei Tänzern

Andrea Berg umringt von zwei Tänzern – Bildrechte: Andreas Weihs


So ist es, das Leben. Die meistenteils Ü40er in der Halle – immerhin rund 8000 – spricht das an, viele haben so etwas schon mal erlebt oder kennen es von Freunden. Und dass sie dazu auch noch beseelt tanzen können, die Worte sich bestens (auch ohne langes Auswendiglernen) mitsingen lassen, macht es noch viel einfacher und sogar schöner. Ein Gemeinschaftserlebnis, das zusammen schweißt. Das Ergebnis: Kollektives Feiern, Schunkeln, Tanzen, Singen, Arme in der Luft und immer das Gefühl, die Berg singt nur für dich. Ihre Blicke treffen jeden Fan in der Halle mindestens einmal. Und sie spricht manche von ihnen auch direkt an. Wie Jörg aus Hoyerswerda, der wohl einmal zu oft mit seinem Handy hantiert und damit der Sängerin auffällt. Kurzerhand holt sie ihn auf die Bühne. Jörg ist das sichtlich gar nicht angenehm, vor allem, weil er auch noch singen soll. Er ist zum ersten Mal auf einem Andrea Berg Konzert, hatte die Karte zu seinem Geburtstag geschenkt bekommen und nun das! Also schmettern die Beiden gemeinsam „Wenn du mich willst, dann küss mich doch“, zur Freude des Publikums. Jörgs Frau dreht davon ein Handy-Video und am Schluß gibt es sogar ein echtes Küßchen.

Doch es ist nicht nur das Aufeinanderzugehen, der fast schon familiäre Kontakt zum Publikum und auch natürlich nicht nur die Musik, es sind nicht nur die Texte, die die Show zu einem Erlebnis machen. Übrigens für Frau UND Mann! Die Frauen wollen so sein wie sie und die Männer … nun ja … Die Sängerin hat längst erkannt: Sex Sells! Und so präsentiert sie sich im Laufe des dreistündigen Abends immer wieder in knappen Outfits, mal silbern glänzend, mal goldig, mal mit langer durchsichtiger Schleppe. Und ganz ohne Frage: Die 50-jährige kann es tragen! Neben ihr wirken die jungen Hüpfer, die sie umtanzen, ziemlich blass.

Bei vielen Liedern ist der musikalische Einfluß von Dieter Bohlen, aber auch von DJ Bobo heraus zu hören. Während ersterer den Italo-Sound der 1980er Jahre als Blaupause für seine zahlreichen Hits benutzt, ist letzterer wohl der einzige noch erfolgreich-aktive Vertreter des Euro-Dance der Neunziger. Das sind die beiden musikalischen Säulen, die die jetzige Andrea-Berg-Show tragen. Beides eingängig und tanzbar – und damit Erfolgsgaranten. Manchmal aber reicht das nicht aus, und so motiviert Andrea Berg ihre Fans immer wieder auch auf diese Art: „Ist das schön mit euch“ und „Chemnitz, singt!“ Das funktioniert immer.

Andrea Berg und ihr Tänzer auf der Drachenbühne

Andrea Berg und ihr Tänzer auf der Drachenbühne – Bildrechte: Andreas Weihs


Als kleine Chemnitzer Kinder in niedlichen Drachenkostümen auf die Bühne kommen, ist die Romantik perfekt. Rings um den großen Drachen fällt Schnee, Handys werfen ihr blinkendes „Sternen“-Licht in Richtung Bühne, die Stimmung in der Halle wird rührselig und die Berg singt und „Weißt Du, wie wieviel Sternlein stehen“ zur Gitarre. Am Ende stellt sie fest: „Hier in meinem Wunderland funktionieren die Träume“.

Als über ihr eine Discokugel erscheint, die ihr gebrochenes Licht in die Halle wirft, steht die Berg singend im wabernden Bodennebel und als noch Glitter von oben auf sie herab fällt, ist die Romantik perfekt. Zeit für ein Tränchen im Publikum. „Sternenträumer“ und „Im nächsten Leben“ zeigen noch einmal die nachdenkliche Seite in den Liedern der Sängerin, da wird es ruhig vor der Bühne – und während des minutenlangen Applauses danach werden auch ihre Augen feucht.

Andrea Berg

Andrea Berg – Bildrechte: Andreas Weihs


Irgendwann verschwindet Andrea Berg im Bühnenboden – oder: im Körper des Drachen. Ihr Gesang hallt nach, „Und wenn ich geh lass ich mein Herz bei dir“ … aber das soll, das kann noch nicht alles gewesen sein. Das Publikum fordert mehr und bekommt es. Zunächst per Video, mit Szenen aus einer unglaublichen, bereits ein Vierteljahrhundert andauernden Karriere. Dann kommt die Berg live zurück, wieder umhüllt sie ein neues Kleidchen, als sie singt „Die Gefühle haben Schweigepflicht“. Bis dahin so gut.

Aber dann macht sie etwas, was inzwischen wohl zum guten Ton bei hochkarätigen Konzerten gehört, aber bei einer Sängerin ihres Formats und Stimme unpassend wirkt und auch gar nicht so gut klingt, wie es vielleicht gemeint ist: Sie singt ihre Lieblingslieder aus früheren Tagen. Wir hören „Tausendmal berührt“, „Über sieben Brücken“ und auch „Live Is Life“, bei dem DJ Bobo in seinem Regiepult vor Freude völlig ausflippt, mitsingt und am Ende sogar einen Arm zum Schlußbeat nach oben reißt. Dennoch: Das mulmige Gefühl bleibt, das Medley hinterlässt ein schmerzhaftes Seelenbeben, weil es nicht zu der Sängerin und ihrer Stimme passt.

Ihr Ziel allerdings, „einfach zweieinhalb Stündchen abzutauchen, Kummer und Sorgen abzuschalten“, das hat sie zweifelsohne erreicht. Das Publikum in der vollen Arena in Chemnitz ist nach rund drei Konzertstunden glücksbeseelt und verlässt mit einem zufriedenen Lächeln die Halle.

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