Meldungen

Rockpoet Heinz Rudolf Kunze & Verstärkung begeistern auf Deutschland-Tour

Kunze zum Berliner Publikum in der Columbiahalle: "Was für eine schöne Art den Samstagabend zu verbringen!"

Tickets bei www.eventim.de
Heinz Rudolf Kunze - Live Heinz Rudolf Kunze - Bildrechte: Andreas Weihs

Heiße Eisen anzufassen, Befindlichkeiten aufzuzeigen, Zustände zu analysieren, Kritik zu üben, nicht alles einfach zu „schlucken“ – das ist ganz sein Ding. Da, wo viele Leute sich nicht trauen, etwas zu sagen, hat er eine Meinung. Und: Er gehört zu den kreativsten Künstlern des Landes. Allein in diesem Jahr umfaßt sein künstlerischer Output zwei Musik-Alben, zwei Bücher, eine Konzerttournee, eine Lesetournee. Heinz Rudolf Kunze hat keine Zeit für Müßiggang, obwohl er selbst dieses Pensum etwas herunter spielt. „Das kam jetzt zwar alles etwas gehäuft. Aber so viel Arbeit ist das gar nicht.“

Zur Zeit befindet sich Heinz Rudolf Kunze mit seiner Verstärkung – Bassist Leo Schmidthals, Keyboarder Matthias Ulmer, Schlagzeuger Jens Carstens und Gitarrist Peter Koobs – auf der Zielgeraden der „Deutschland-Tournee“. Die Konzertreise zum gleichnamigen Album, das erst vor wenigen Monaten veröffentlicht wurde, begann am 30. September und neigt sich nun langsam dem Ende. Am Wochenende stand der Rockpoet, der seine oft tiefgreifenden Botschaften in schöne Melodien verpackt – auch wohl um den Konsum schmackhafter zu machen – auf der Bühne der Columbiahalle in Berlin und entlässt nach weit mehr als zweieinhalb Konzertstunden und – sage und schreibe – vier (!) Doppelzugaben ein mehr als begeistertes Publikum in die Nacht.

Heinz Rudolf Kunze

Heinz Rudolf Kunze und sein sensationelles Gitarrenspiel – Bildrechte: Andreas Weihs


Mit dem bluesigen „Es ist in ihm drin“ vom aktuellen Album beginnt der Abend, um musikalisch sofort den Bogen zum 30 Jahre früheren „Wunderkinder“ zu schlagen. Ein roter Faden, der sich über mehrere Jahrzehnte spannt und an dem viele weitere Lieder aufgereiht sind. Das Publikum ist angesichts der bekannten Melodie schnell aufgewärmt und geht lautstark mit. Die analytisch-kritische Bestandsaufnahme der Zustände in der „Wirtschaftswunderzeit“ ist ummantelt mit Gute-Laune-Pop, der mitreißt und trotz des kritischen Inhalts kaum Schwermut aufkommen lässt. „Als wir klein waren, war das allermeiste sonnenklar…“. Was daraus wurde und wie es heute ist, darüber berichtet Kunze in Wort und Ton in den folgenden gut zweieinhalb Stunden.

Bevor es aber musikalisch zu harmonisch wird, packt Kunze sein Textbuch aus. Auf dieser Tour bekommen seine gesprochenen Texte wieder eine größeren Bedeutung und mehr Raum. Kunze ist bekannt für seine geschliffenen Worte, seine feinsinnige Sprache, die auch hintersinnig sein kann, aber immer scharf und genau analysierend, auf den Punkt kommend. Es macht einfach Spaß, zuzuhören. Auch (oder gerade weil) der Humor schon Mal tiefschwarz werden kann. Die Themen, breit gefächert: Vom Alltäglichen, gesellschaftlichen Befindlichkeiten, den Zuständen im Land bis hin zur Asylproblematik. Nicht einmal der HipHop ist vor ihm sicher, am Bühnenrand sitzend und Finger schnippend will er dieses Feld nicht Leuten wie Bushido allein überlassen. Im Rap-Stil reihen sich Klischees und Vorurteile aneinander, machen Fremdes und Flucht zum Thema, um mit einer überraschenden Wendung zu enden.

Heinz Rudolf Kunze

Heinz Rudolf Kunze gibt Alles – Bildrechte: Andreas Weihs


Das Publikum braucht Kunze nicht mehr zu bekehren, die sind von Anbeginn an auf seiner Seite. Sie hören zu, lassen sich fesseln von der Sprache und mitreißen von den Melodien. Es wird geklatscht im Rhythmus und gewippt in den Knien. Die Setliste ist dramaturgisch ausgereift, bietet ein Wechselbad an Stimmungen, an Emotionen, an Mitmach-Songs und Zuhör-Liedern, und spannt sich über den gesamten künstlerischen Werdegang Kunzes, von den Achtzigern bis Heute. Einige Stücke des Deutschland-Albums stehen auch auf dieser Liste, sind aber nicht der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Vielmehr fügen sich das melodisch-balladeske „In der alten Picardie“, das poppige „Das Paradies ist hier“, das nachdenkliche „Jeder bete für sich allein“ und natürlich das titelgebende, schonungslose „Deutschland“, nahtlos in das Gesamtprogramm ein.

Bei Kunze wird nicht nur gerockt, ein kleiner Akustikblock mit „Elixier“, „So wie du bist“ und „Leg nicht auf“ lockert das Geschehen auf und rückt die „Verstärkung“ nach vorn. Doch das Intermezzo dauert nicht lang, bald schon heißt es: Zurück zum Rock’n’Roll. Kunze greift zur Gitarre, lässt es krachen. Der Sound druckvoll, voller Kraft und Energie, selbst bei den ruhigeren Stücken.

Heinz Rudolf Kunze

Heinz Rudolf Kunze in seinem Element – Bildrechte: Andreas Weihs


Natürlich dürfen in einem Kunze-Konzert Lieder wie „Mit Leib und Seele“, „Finden sie Mabel“ und das ewig-junge „Dein ist mein ganzes Herz“ nicht fehlen. Auch „Lola“ und „Wenn Du nicht wiederkommst“ feiert das Publikum. Kunze präsentiert sich in Bestform und das merken auch die Zuhörer in der Halle. Die Freude am Spielen, am Erzählen, auf der Bühne zu sein, die sieht man ihm an und die hört man. „Was für eine schöne Art den Samstagabend zu verbringen“, sagt er irgendwann und meint es auch so. Die Leute vor der Bühne sehen das genauso.

Weitere Termine der Deutschland-Tour:

25.10.2016 – 20.00 Uhr in Cottbus, Glad House
26.10.2016 – 20.00 Uhr in Dresden, Alter Schlachthof
27.10.2016 – 20.00 Uhr in Zwickau, Ballhaus
29.10.2016 – 20.00 Uhr in Halle/Saale, Händelhalle
30.10.2016 – 20.00 Uhr in Hamburg, Große Freiheit 36

Tickets bei www.eventim.de